Es geht nach Paraguay – Asunción, San Bernardino und Villarrica.
Begleite uns auf unserer langen Anreise und den ersten Stationen unserer Rundreise quer durch den Osten Paraguays.
Du liest davon, wie wir schon nach wenigen Metern auf paraguayischem Boden sprichwörtlich erschlagen wurden und von unseren spannenden Eindrücken in Asunción, San Bernardino und Villarrica.
Außerdem nehmen wir dich mit in den wilden Straßenverkehr von Paraguay und auf unseren ersten Ausflug, der anders verlief, als wir es planten.
Die lange Anreise
Sonnenaufgang über Brasilien
Plötzlich war er da, der 8. April 2024. Der Tag, an dem wir zum Flughafen aufbrachen, um nach Paraguay zu reisen. Die Route führte von Berlin über Frankfurt nach São Paulo und schließlich nach Asunción. Insgesamt dauerte die Anreise etwa 20 Stunden, wobei es einige Wartezeiten beim Umsteigen gab.
Wir haben uns aus den folgenden Gründen dazu entschlossen, die Reise nur mit Handgepäck anzutreten.
- größerer Abenteuerfaktor durch etwas Minimalismus
- was wir nicht mitführten, konnten wir auch nicht verlieren
- was wir am Mann hatten, hatten wir auch sicher dabei
Der dritte Punkt klingt zunächst eigenartig. Der Gedanke dahinter war, dass es aus Erfahrung beim Flug von Berlin nach Frankfurt oft zu Verspätungen kommt. Mit aufgegebenem Gepäck könnte die Gefahr bestehen, dass man seinen Anschlussflug nach São Paulo verpasst oder am Ende Gepäck fehlt.
Herbst in Paraguay: Ankunft in Asunción
Flughafen Asunción Silvio Pettirossi
Als wir nach 20 Stunden endlich paraguayische Luft atmeten, fühlten wir uns, als würde uns jemand mit voller Wucht ins Gesicht schlagen. Keine Sorge, es handelte sich nicht um eine kriminelle Aktion. Nach frühlingshaften 12 °C am Abflugtag in Berlin schlugen uns zur Ankunft in Asunción herbstlich schwüle 30 °C entgegen. Erstaunlicherweise gewöhnten wir uns jedoch schon nach kurzer Zeit daran.
Die ersten beiden Tage dienten einfach erst einmal dazu anzukommen und um Dinge zu besorgen, welche wir nicht im Handgepäck mit ins Flugzeug nehmen durften. Außerdem nutzten wir die Zeit, um Asunción etwas zu erkunden. Die wichtigste Aufgabe war die Beschaffung einer SIM-Karte. Internet ist eine unbeschreiblich große Hilfe auf solch einer Reise, egal ob für die Navigation, Organisation oder die Kommunikation.
Die weitere Zeit in Asunción haben wir für zahlreiche Spaziergänge und Erkundungen genutzt. Teils zu Fuß, teils mit dem hier sehr preiswerten Fahrdienst Bolt, da die Stadt sehr weitläufig ist. Eine touristische Infrastruktur sucht man vergeblich. In Asunción gibt es einzelne kleine Ansätze, Besucher zu informieren, beispielsweise mit Informationstafeln oder einem Touristenbüro. Aber all das ist nicht vergleichbar mit touristischen Zentren, wie man sie von anderen Reisezielen her kennt.
Genau diese touristische Abgeschiedenheit machte letztlich allerdings für uns den Reiz der Reise aus. Man erkundet, sucht und schaut sich einfach alles an, was einen interessiert. Statt durchorganisierter Touren ist man einfach mittendrin.
Straßenverkehr in Asunción
Es herrscht das typisch erwartete Durcheinander, das wuselige Leben einer südamerikanischen Stadt. Lauter, verrückter Verkehr, unschöne Ecken und Bauruinen treffen auf unendlich viel Grün, Ruhe und Moderne. Ich empfinde Asunción als eine Stadt der Gegensätze, welche ich mir sehr gerne ansehe, jedoch nicht als Lebensmittelpunkt haben möchte. Das ist allerdings reine Geschmackssache. Weitere Eindrücke in der Stadt sammelten wir am Ende unserer Reise. Diese haben uns teilweise sehr überrascht. Mehr dazu im Artikel zum letzten Reiseabschnitt.
Generell tut es gut, das Treiben einfach zu beobachten. Niemand fragt hier nach unserer Meinung, im Gegensatz drängt uns auch niemand seine Meinung auf. Ganz nach dem Motto „Wenn es dir nicht passt, dann mach es für dich doch anders, aber lass es mich auf meine Weise tun.“ Wenn du zum Beispiel irgendwann einmal die Gelegenheit haben wirst, den Straßenverkehr mit eigenen Augen zu beobachten, wirst du wissen, was ich damit meine. Ein Gefühl von Freiheit und Gelassenheit erfüllt einen schon nach kurzer Zeit vor Ort.
Einen Punkt, den ich unbedingt erwähnen möchte, ist die Hilfsbereitschaft, Aufgeschlossenheit und Freundlichkeit der Menschen in Paraguay. Wildfremde Menschen grüßen sich, es gibt einen respektvollen Umgang. Auch mit rudimentären Spanischkenntnissen klappt es dank der allgemeinen Hilfsbereitschaft, seine Anliegen vorzutragen. Ob Stadt oder Land, die Menschen und der Umgang untereinander haben uns auf unserer gesamten Reise sehr begeistert!
Etappe 1: Mit dem Mietwagen nach San Bernardino
Die ersten Meter im Mietwagen
Am Tag 3 startete dann unsere eigentliche Rundreise. Unseren Mietwagen haben wir bereits vor der Reise reserviert, welcher am Flughafen übernommen werden konnte. Ein kleiner, für den südamerikanischen Markt hergestellter SUV von Nissan sollte unser Begleiter auf der Reise sein. Natürlich waren die ersten Meter besonders aufregend, aber schon nach kurzer Zeit gewöhnte man sich an die Art und Weise des Fahrens. Und nach weiteren Kilometern setzte bereits eine gewisse Routine ein.
Verkehrsregeln? Gibt es. Aber ehrlicherweise haben wir diese bis zum Ende unserer Reise nicht komplett durchblickt. Es gibt einfach einen Verkehrsfluss und bis zu einem gewissen Grad organisiert es sich. Verkehrszeichen scheinen eher eine Empfehlung zu sein. Trotzdem ist das Fahren unglaublich entspannt, wir haben uns einfach den örtlichen Verhaltensmustern angepasst und schwammen mit. Am Rande: Mein Bruder hatte seinen Führerschein im April erst seit zwei Monaten. Wahrscheinlich wurde er für das durchorganisierte Fahren in Deutschland für immer „verdorben“.
Promenade von San Bernardino
Während unserer ersten Fahrt haben wir uns unser erstes Hotel in San Bernardino herausgesucht. Dieses hat uns so sehr begeistert, dass wir es im Verlauf der Reise sogar noch einmal besuchten. Da die Hotelsuche zum ersten Mal spontan hervorragend geklappt hat, blickten wir optimistisch auf die weitere Reise. San Bernardino ist für viele Einheimische und in Paraguay lebende Deutsche ein beliebter Urlaubsort. Er liegt am riesigen „Ypacaraí – See“, welcher durch Verunreinigungen leider nicht badetauglich sein soll. Jedoch bietet er entlang der parkähnlichen Strandpromenade einen fantastischen Ausblick, beispielsweise auf den Sonnenuntergang.
Diesen hatte ich ganz spontan mit der Drohne eingefangen. Das Besondere und Aufregende daran war, dass ich diese erstmalig extrem hoch steigen lassen konnte. Während die maximal erlaubte Höhe in Europa bei 120 Metern liegt, passierte ich hier bei 500 Metern sogar ein paar kleinere Wolken. Nachdem wir die Drohne wieder verstauten und auf die Uhr blickten, stellten wir fest, dass der Tag bereits um 18 Uhr sein Ende fand und urplötzlich eine extreme Geräuschvielfalt aus Insektenlauten einsetzte.
Unser Abendessen fanden wir in einer kleinen Pizzeria. Nach einem anfänglichen Missverständnis erhielten wir statt einer auch noch unsere zweite Pizza, welche wir uns schmecken ließen. Im Anschluss ließen wir den Abend im gemütlichen Hotel ausklingen und tauschten uns über die vielen Eindrücke des Tages aus.
Etappe 2: Villarrica und Umgebung
Autobahn mit Kuh, Gegenverkehr und Kreisverkehr
Das Reiseziel des vierten Tages war das etwa 130 km entfernte Villarrica. Schon nach der Abfahrt gerieten wir in die erste von zwei Verkehrskontrollen. So manche im Vorfeld gehörte Horrorgeschichten sorgten zwar für etwas innere Anspannung, welche sich aber rapide legte. Nach der freundlichen Begrüßung, der Kontrolle der Papiere und der Verabschiedung ging die direkt weiter. Bei der zweiten Kontrolle auf dem Weg verhielt es sich ebenso. Die negativen Erfahrungen mit Korruption und dem gezielten Kontrollieren von augenscheinlich touristischen Fahrern haben wir glücklicherweise nicht gemacht.
Das Abenteuer paraguayische Autobahn war absolut amüsant und beeindruckend. Auf dem Abschnitt des Tages handelte es sich um eine gute ausgebaute, vierspurige Straße mit Mittelstreifen und Leitplanken, auf welcher man offiziell mit durchschnittlich 100–110 km/h fahren durfte. Was war daran amüsant und beeindruckend?
Nun, direkt an den Seitenstreifen schlossen sich immer wieder Grundstücke an, Läden stellten dort ihre Waren aus. Es gab Bushaltestellen, Fußgänger kreuzten oder liefen entlang der Fahrbahn. Man konnte an offiziellen Stellen wenden oder tat es auch dort, wo man wollte. Ebenso verhielt es sich mit den Auf- und Abfahrten. Autos und Motorräder kamen auf der eigenen Spur entgegen. Kühe standen auf dem schmalen Mittelstreifen und grasten. Es war einfach ein Erlebnis!
Es mag zunächst vielleicht verrückt und absolut furchtbar klingen. Aber ich versichere dir, es hat einfach Spaß gemacht und alles hatte den bereits oben erwähnten Fluss. Es war vollkommen stressfrei und man konnte die Fahrt einfach amüsiert genießen. Absolut nicht vergleichbar mit einer Fahrt auf einer deutschen Autobahn, wenn von hinten ein Wagen mit 220 km/h und Lichthupe angerast kommt. Wobei man selbst noch massiv abbremsen muss, um beim Spurwechsel dem gemütlichen Langsamfahrer auf der mittleren Spur nicht aufzufahren.
Angekommen in Villarrica
Das Erlebnis Autobahn endete, als wir Villarrica erreichten. Zunächst suchten wir uns in der wuseligen Kleinstadt ein Restaurant, um Mittag zu essen und nach einer Unterkunft zu recherchieren. Die Kosten in Restaurants sind wirklich erschwinglich. Mit umgerechnet weit unter 10 EUR kann man hervorragend essen. Ebenso verhält es sich bei vielen Unterkünften. Sicherlich sind die Preise nach oben hin offen.
Unsere Unterkunft für die folgende Nacht fanden wir bei einer offensichtlich deutschen Auswanderin, welche auf ihrem großen, grünen Gartengrundstück am Rande der Stadt eine Pension errichtet hat. Diese diente uns als Ausgangspunkt unseres ersten Ausfluges, welcher nicht ganz so lief, wie erwartet.
Im Umfeld von Villarrica kann man einige Berge finden, welche wir einfach einmal zum Wandern besuchen wollten. Unser Telefon wird uns den Weg schon weisen. Über ein paar schöne und viele nicht so schöne Straßen (Bauzustand), bis zu Erdstraßen, fuhren wir dann den Bergen entgegen. Plötzlich erreichten wir einen Punkt, welcher eine unbeschreibliche Aussicht und Weite bot. Dazu die Ruhe, welche nur durch Tierlaute unterbrochen wurde. Um uns herum grasten Rinder, einige kamen zu uns, schauten und gingen weiter. Es war abermals Zeit, die Drohne auszuprobieren.
Einzigartige Ruhe und Weite
Als wir uns dann von der Aussicht trennen konnten und unseren Weg fortsetzen wollten, wurden wir jedoch eines Besseren belehrt. Die Straße wurde ab diesem Punkt eher zu einem Feldweg, der sehr aufgeweicht war. Die Mietwagenbedingungen besagen, dass wir nicht „Offroad“ fahren dürfen. Da ich den kurzzeitig festgefahrenen Wagen etwa 200 m mit Vollgas im Rückwärtsgang zurück zu festem Boden steuern musste, beschlossen wir daher kurzfristig unsere Wandertour umzuplanen.
Den wundervollen Ausblick in der Erinnerung und mit dem Glück, nicht im Matsch versunken zu sein, kehrten wir also wieder Richtung Villarrica zurück und spazierten noch etwas durch den Ort. Zugegeben, Villarrica war meinem Geschmack nach nicht unbedingt eine Augenweide. Es war in zahlreichen Bereichen schmutzig und vieles war leider beschädigt. Aber auch in Villarrica waren die Menschen wieder sehr angenehm und freundlich, was dem Spaziergang in Villarrica einen positiven Abschluss gab.
Generell galt für uns auf dieser Reise, dass wir uns alles ansehen wollten. Egal, ob schönere oder unschönere Orte, jeder Eindruck und jede Erfahrung war uns wichtig und daher empfanden wir nichts als vergeudete Zeit. Der Weg ist das Ziel.
Zurück in unserer Unterkunft ließen wir den Tag Revue passieren und waren in freudiger Erwartung auf Tag 5. Wie es weiterging, erfährst du im nächsten Artikel „Reiseabschnitt 2“.