Es geht in Richtung Osten und Süden - Ciudad del Este und Encarnación
Begleite uns in diesem Artikel in die östlichste Stadt Paraguay, nach Ciudad del Este. Direkt an der brasilianisch-argentinischen Grenze liegend, bietet die Region zwei großartige Sehenwürdigkeiten an.
Auch wenn nicht immer alles nach Plan läuft, kann am Ende dabei etwas noch besseres herauskommen. Dies wurde uns besonders auf diesem Abschnitt der Reise immer wieder vor Augen geführt.
Ebenso betraff das unsere Weiterfahrt in Richtung Süden, nach Encarnación, wobei es Planänderungen gab. Aber lies selbst:
Aufbruch in den Osten Paraguays.
Morgenlicher Regenschauer in Villarrica
Fünfter Tag: In Villarrica begann unser fünfter Tag unerwartet mit einem heftigen Wolkenbruch. Während wir eigentlich früh aufbrechen wollten, lud uns das Naturspektakel dazu ein, doch noch ein spontanes Frühstück in unserer Unterkunft zu genießen. Das laute Prasseln des Regens und die friedliche Atmosphäre waren ein perfekter Start in den Tag. Ganz typisch paraguayisch Tranquilo auf der Terrasse eben.
Nach dem Regen starteten wir unsere etwa 220 km lange Fahrt mit dem Ziel „Ciudad del Este“ (Stadt des Ostens). Die Landschaft verzauberte uns auf dem Weg. Unendliche Weite, viel Grün, Wälder, Berge und natürlich der Charme der paraguayischen Autobahn begeisterten uns weiterhin, wie auf den ersten Metern. Da der Weg allgemein das Ziel ist, nutzten wir die grobe Richtung, um noch einen kurzen Abstecher nach Independencia zu machen.
Wenn man schon in der Nähe ist, ist es naheliegend, dass man die Gelegenheit nutzt, um einen Blick zu werfen. Independencia, bekannt für seine deutsche Gemeinschaft, typische Ordnung, deutsches Radio und deutschen Straßenschildern. Es bot einen starken Kontrast zu dem, was uns in Ciudad del Este erwartete.
Straßenverkehr in Ciudad del Este
Die Ankunft in Ciudad del Este war ein Eintauchen in eine andere Welt. Das chaotische, aber faszinierende Straßenbild mit seiner eigentümlichen Ordnung und dem lebhaften Treiben war ein echtes Erlebnis. Dank unserer vorherigen Beobachtungen im Straßenverkehr gelang es uns erstaunlich gut, uns erstmalig auch mit dem eigenen Auto in einer größeren Stadt ortsüblich fortzubewegen.
Nachdem wir die Ausfahrt verpasst hatten, nutzten wir als einfach die nächst günstige Gelegenheit über den Standstreifen zum Abfahren. Da wir uns irrten, fuhren wir ein paar Meter weiter einfach wieder an einer günstigen Position auf und schlängelten uns recht entspannt durch den quirligen Stadtverkehr. Unser Hotel, das dem ersten Eindruck nach in einer etwas rauen Gegend lag, erwies sich als wahre Oase der Ruhe. Modern, sauber, freundliches Personal und das zu einem unschlagbaren Preis.
Spontan bleiben: Grobe Pläne haben wir uns gemacht, um die Zeit optimal zu nutzen. Jedoch lief nicht immer alles so, wie wir es uns vorgestellt haben. In Ciudad del Este wollten wir eines der weltweit größten Wasserkraftwerke (Itaipú) und die großen Wasserfälle auf der brasilianischen Seite (Iguazú) besuchen. Dies war mit einigen planerischen Hürden verbunden, die sich am Ende jedoch immer derart auflösten, dass das Resultat unsere Erwartungen übertraf.
Der fünfte Tag wurde demnach nicht mit den gewünschten Besuchen bei den Sehenswürdigkeiten beendet, sondern diente der Ankunft in Ciudad del Este und der Erkundung der Stadt. Eher zufällig machten wir dabei auch einen etwa 25-minütigen Abstecher in die brasilianische Umgebung inklusive Einreisestempel. Zum Abschluss des Tages planten wir die Besuche für Itaipú und Iguazú, worauf wir uns besonders freuten.
Iguazú - das große Naturschauspiel.
Atemberaubende Wasserfälle von Iguazú
Tag 6 stand ganz im Zeichen der Wasserfälle von Iguazú. Um diese zu besuchen, gibt es zwei Möglichkeiten. Von argentinischer Seite her mit einem riesigen Landschaftspark und von brasilianischer Seite her mit einem kleineren Park, dafür jedoch mit einem beeindruckenden Panoramablick auf die Wasserfälle. Wir entschieden uns für die brasilianische Seite und das Panorama. Günstigerweise wussten wir vom Vortag genau, wie und wo man exakt einreisen kann.
Die Wasserfälle von Iguazú waren atemberaubend. Jeder Schritt entlang des gut ausgebauten Pfades bot uns spektakulärere Ausblicke. Mit jedem weiteren Blick auf die Wasserfälle wurde der vorherige Blick noch übertroffen. Die immense Kraft und Schönheit der Natur waren überwältigend, besonders als wir auf der Plattform standen, die direkt vor den größten Wasserfällen errichtet wurde. Es fühlte sich fast surreal an, so nah am tosenden Wasser zu sein.
Die anfänglichen Mühen bei der Planung, zum Beispiel wegen des Grenzübertritts nach Brasilien und die Organisation der Anfahrt, zahlten sich vollkommen aus. Es war ein unvergessliches Erlebnis, das ich zweifelsfrei weiterempfehlen kann. Die touristische Infrastruktur an den Wasserfällen selbst ist hervorragend organisiert, sodass man das Spektakel in vollen Zügen genießen kann.
Spontanes Schießtraining in Ciudad del Este
Den sechsten Tag schlossen wir mit einer spontanen Aktion ab. Während des Abendessens kam uns die Idee, dass wir einen Schießstand besuchen könnten. Da Paraguay in Bezug auf Schusswaffen recht liberal ist und sich zudem ein solcher Stand unmittelbar in unserer Nähe befand, setzten wir die spontane Idee noch in die Tat um.
Und so kam es, dass mein Bruder seine Treffsicherheit mit Pistole und Schrotflinte erstmalig auf südamerikanischem Boden unter Beweis stellte. Ich selbst, schon etwas geübter in diesem Themenfeld, ließ mir den Spaß natürlich auch nicht nehmen. Und so endete der atemberaubende sechste Tag gewissermaßen mit einem kleinen Feuerwerk.
Zurückgekehrt im Hotel ließen wir die Gedanken schweifen und waren immer noch absolut euphorisiert von den Eindrücken des Tages.
Itaipú und der Aufbruch in den Süden.
Keine Durchfahrt mit dem Privatwagen zum Itaipú - Staudamm.
Am Tag sieben klingelte der Wecker zeitig und es hieß ausnahmsweise nicht Tranquilo. Ein schnelles Frühstück und dann war es Zeit für den gebuchten Termin beim Itaipú-Wasserkraftwerk, den ich nach etwas Recherche auf der paraguayischen Seite des Kraftwerkes organisiert hatte.
Ursprünglich dachten wir ganz naiv, dass man einfach mit dem eigenen Wagen oder dem Taxi über den Damm fahren kann. Trotz der kleinen Enttäuschung, dass man dies bei einer der größten Industrieanlagen des Landes nicht einfach tun kann, erwies sich dieser kleine Rückschlag als besonders lohnend.
Da das Wasserkraftwerk ein Gemeinschaftsprojekt von Paraguay und Brasilien ist, gibt es auch hier zwei Wege, es zu besuchen. Während die brasilianische Variante beworben wird und teuer bezahlt werden muss, kann die paraguayische kostenfrei genutzt werden. Allerdings bedurfte es etwas Recherchearbeit, darauf zu kommen.
Am Besucherzentrum angekommen, erhielten wir Ausweise und sahen uns einen einführenden Film über das Kraftwerk an, der eindrucksvoll dessen Dimensionen und die Bedeutung für die Region darlegte. Anschließend wurden wir in einen Bus geleitet, der uns über das riesige Gelände zum Damm führte. Von dort aus hatten wir einen spektakulären Blick auf das imposante Bauwerk inklusive der Gelegenheit, Fotos an einem speziell angelegten Aussichtspunkt zu machen.
Die Fahrt über den Staudamm war ein Höhepunkt – entgegen unseren ursprünglichen Erwartungen durften wir tatsächlich darüberfahren, nur eben nicht allein. Eine Begleiterin lieferte viele Informationen, die unser Spanisch zwar stark überforderte, aber die Begeisterung und das Engagement des Personals waren ansteckend. Es war beeindruckend, wie sehr man sich bemühte, uns ein unvergessliches Erlebnis zu bieten. Trotz der Sprachbarriere und der Tatsache, dass wir die einzigen Besucher waren.
Nach diesem informativen Ausflug kehrten wir kurz ins Hotel zurück, um unsere Sachen und den Wagen abzuholen. Anschließend ließen wir Ciudad del Este hinter uns. Aufgrund der Attraktionen in der Umgebung kann ich einen Besuch der Stadt definitiv empfehlen. Das Stadtbild selbst hat meinen Geschmack jedoch nicht getroffen.
Auf dem Weg nach Encarnación
Nun setzten wir unsere Reise in das etwa 300 km entfernte Encarnación fort. Die Landschaft entlang dieser Strecke war ruhig und weitläufig – eine wohltuende Pause von dem oft hektischen Straßenverkehr, den wir bisher erlebt hatten. Geplant war eigentlich ein Stopp bei den Ruinen von Trinidad, welche auf dem Weg lagen.
Diesen Plan mussten wir jedoch kurzfristig ändern, da sich mein Bruder etwas unwohl fühlte. So steuerten wir direkt Encarnación an, was sich rückblickend trotz der Ursache wieder als eine gute Planänderung erwies. Durch diese Anpassung hatten wir im weiteren Verlauf der Reise eine viel bessere Wetterlage, die die Reise noch schöner machte.
Wenn du die weiteren Artikel betrachtest, wirst du das an den Bildern erkennen können. Der herbstlich graue Himmel wurde zunehmend gegen strahlendes Blau ersetzt.
Der siebente Tag endete also ruhiger als geplant. Die kleine Zwangspause bot uns die Gelegenheit, die vielen Eindrücke der vergangenen Tage in Ruhe zu verarbeiten. Es ist vielleicht keine schlechte Idee, künftig etwa eine kleine Halbzeitpause vorab einzuplanen.
Wenn du wissen möchtest, wie es in Encarnación weiterging, wie uns die Stadt gefallen hat und was wir an den folgenden Tagen erlebt haben, lies unbedingt den nächsten Artikel „Reiseabschnitt 3“.