Der Kreis hat sich geschlossen ...
... mit dem Erreichen von Villarrica sind wir wieder in Orten, die wir bereits am Anfang der Reise besucht hatten.
Der letzte Artikel der Reihe (Reiseabschnitt 3) endete damit, dass wir den neunten Tag unserer Reise auf der Terrasse unseres Hotels in Villarrica gemeinsam mit einer neuen Bekanntschaft aus Kanada und einem interessanten Gespräch ausklingen ließen.
In diesem Artikel liest du, wie es weiterging und welchen wundervollen Ausflug wir noch vor uns hatten, bevor es dann über San Bernardino zurück nach Asunción und letztlich zurück nach Deutschland ging.
Tranquilo und Sandstraßen
Fahrspass auf Sandstraßen.
Wenn etwas gut ist, bietet es sich an, daran anzuschließen. Der zehnte Tag startete mit der Fortsetzung des interessanten Gespräches während des Frühstücks, wobei ich auch die übrigen Familienmitglieder kennenlernen durfte, was mich sehr erfreute.
Allgemein ließen mein Bruder und ich den Tag ruhig starten, das paraguayische Tranquilo haben wir schon verinnerlicht. Ein ganz besonderes Ereignis, auf welches wir uns schon sehr freuten, stand jedoch noch auf dem Plan für Tag Nummer zehn. Es ging um den Besuch des Wasserfalls „Salto Cristal“, welcher etwa 65 Kilometer von Villarrica entfernt ist.
Da die Wege in Paraguay immer etwas mehr Zeit beanspruchen, als man optimistisch rechnet, und es zudem stets um 18 Uhr finster wurde, hatten wir am Vortag spontan umgeplant. Statt den Besuch direkt auf dem Weg von Encarnación nach Villarrica abzuwickeln, wurde es ein Tagesausflug am zehnten Tag. Wieder einmal stellte sich heraus, dass es eine absolut sinnvolle Entscheidung war.
Für die knapp 65 Kilometer, die uns abermals durch wundervolle Landschaften führten, benötigten wir fast 3 Stunden. Natürlich haben wir uns nicht gehetzt und es gab auch kurze Zwischenstopps zum Umsehen und Genießen, ganz Tranquilo eben. Aber der Großteil der Zusatzzeit ging zulasten der Sandstraßen, welche uns und unserem Wagen wieder einiges abverlangten.
Wundervolle Aussichten auf dem Weg zu Salto Cristal.
Man kann sich diese Sandstraßen in etwa wie rot farbige Feldwege vorstellen. Sind sie trocken, ist der Boden fest und staubig. Regnet es jedoch, dann sucht sich das Wasser seinen Weg und hinterlässt zumeist große Spuren. Tiefe Schlaglöcher, lange schlammige Abschnitte, große Pfützen mit versteckten Schlaglöchern und Wasserrinnen, vergleichbar mit kleinen Bachläufen.
Da es die Tage zuvor regnete, hatten wir herausfordernde, aber spaßige Abschnitte vor uns. Man kann diese Strecken auch mit dem Lastkraftwagen, Motorrollern oder einfacheren Autos befahren, wie andere Verkehrsteilnehmer eindrucksvoll bewiesen. Wir waren aber froh, dass unser Wagen zumindest etwas geländegängig war.
Salto Cristal - Ein versteckter Schatz
Atemberaubend - Allein am Wasserfall Salto Cristal.
Angekommen am Ziel stellten wir den Wagen ab und folgten der Beschilderung zum Wasserfall. Dieser führte etwa 700 Meter durch den Wald über steile Treppen hinab zum Fluss, welcher über Steine hüpfend zu durchqueren war. Meter um Meter wurde es lauter, bis einem plötzlich die Gischt entgegen sprühte.
Da war er, „Salto Cristal“, ein Wasserfall, der aus etwa 35 Metern in die Tiefe stürzt. Das niederfallende Wasser sammelt sich vor diesem in einem Becken. Die im Becken befindlichen Felsen luden dazu ein, sie zu erklimmen und einen atemberaubenden und absolut freien Blick auf das fallende Wasser zu werfen. Und auch hier waren wir wieder die meiste Zeit vollkommen allein und konnten das Naturschauspiel in absoluter Ruhe genießen.
Irgendwann konnten wir uns dann aus dem Bann des Wasserfalls befreien und traten den Rückweg an, welcher die steilen Treppen noch einmal ganz besonders in die Erinnerung einbrannte. Noch immer begeistert fuhren wir die langen Sandstraßen zurück, um anschließend eine asphaltierte Straße zu erreichen. Das Tagesziel war San Bernardino, welches wir ebenfalls schon einmal am Anfang der Reise ansteuerten.
Vorbei an weiteren schönen Landschaften und riesigen Baumschulen verließen wir dann später die Einsamkeit und die Straßen wurden wieder merklich voller. Man muss wissen, dass die Region rings um die Hauptstadt die am dichtesten besiedelte Region des Landes ist. Entsprechend belebter und hektischer wurde der Straßenverkehr inklusive der bekannten und lustigen Besonderheiten paraguayischer Autobahnen.
Mit etwas Sorge vor möglicherweise verschlossenen Türen blickten wir auf die Uhr, denn die errechnete Ankunftszeit in San Bernardino war kurz nach 18 Uhr. Wir wussten nämlich, dass das Hotel, welches wir wiederholt ansteuerten, in den Abendstunden nur durch einen Wachmann bewacht wird.
Unsere Sorge war allerdings unbegründet, da der Wachmann uns ebenfalls Zimmer zuteilen konnte. Ebenfalls zugegen war der Inhaber des Hotels, ein sehr freundlicher Franzose, welcher Deutsch sprach und uns nach einem kleinen Plausch zum Frühstück einlud. Den wundervollen zehnten Tag ließen wir nach einem Besuch in der örtlichen Pizzeria zufrieden und erschöpft ausklingen.
Mission Autoreinigung und zurück nach Asunción
Die Sandstraßen hinterließen ihre Spuren.
Der elfte Tag startete hervorragend mit dem köstlichen Frühstück, zu welchem wir am Vorabend eingeladen wurden. Hätten wir unseren Wagen an diesem Tag nicht nahe Asunción abgeben müssen, wären wir vielleicht sogar einen weiteren Tag zur Erholung in diesem hübschen Hotel (Oasis Dream für die Interessierten) verblieben. Aber Plan ist Plan und so verabschiedeten wir uns von den sehr sympathischen Mitarbeitern, um die größte Aufgabe des Tages anzugehen.
Die Sandstraßen der vergangenen Tage haben an unserem Mietwagen sehr markante Spuren hinterlassen, welche mittlerweile eine feste Kruste bildeten. Diese galt es noch zu beseitigen, wobei wir uns um tatkräftige Unterstützung eines professionellen Autoreinigers bemühten. Mit viel Wasser und Handarbeit machte dieser nicht nur uns, sondern auch den Autovermieter glücklich.
Zurück auf dem Weg zum Flughafen von Asunción, wo wir den Wagen abgeben mussten, bestand die größte Schwierigkeit darin, den Wagen nicht wieder zu beschmutzen. Schlaglöcher, Pfützen und Sandhaufen umfuhren wir gekonnt und übergaben den Wagen pünktlich, sauber und mit etwa 1.400 Kilometern mehr auf der Uhr an den Vermieter zurück.
Spaziergang durch Asunción.
Auf schon gewohnte Art und Weise ging es im Anschluss mit dem Fahrservice ins Hotel nach Asunción. Wir nutzten den angebrochenen Tag noch für ein paar kleinere Spaziergänge, wobei wir ein paar neue Wege beschritten. Dadurch erhielten wir wieder einen ganz anderen Blick auf die Stadt und entdeckten unerwartet recht hübsch anzusehende Ecken. Wieder einmal zeigte sich, dass der erste Eindruck nicht immer der finale Eindruck bleiben muss, was sich am folgenden Tag noch einmal verstärkt zeigen sollte.
Nachdem wir während des Spazierganges noch ein paar kleine Souvenirs (zu höheren Preisen als in Trinidad) erstanden hatten und anschließend zum Abendessen in ein Lokal einkehrten, ließen wir den Abend in Ruhe im Hotel ausklingen.
Das Ende naht ...
Botanischer und Zoologischer Garten von Asunción
Tag 12: Die Uhr tickte und unsere Reise ging unweigerlich dem Ende entgegen. Die verbleibende Zeit wollten wir natürlich nicht untätig verstreichen lassen. Wohl wissend, dass die wirklich spektakulären Unternehmungen bereits hinter uns lagen, ließen wir es jedoch ganz in Ruhe angehen. Tranquilo war das Motto der letzten Stunden in Paraguay.
Ziel des Tages war ein kleiner Spaziergang im Zoologischen und Botanischen Garten von Asunción. Der Weg dorthin führte uns durch bisher unbekannte Bereiche der Stadt, vorbei an großen, sehr modernen Hochhäusern, welche teilweise noch im Bau waren oder vor kurzer Zeit fertiggestellt wurden. Auch das allgemeine Straßenbild wirkte sehr gepflegt und intakt.
Das Ausflugsziel, der Zoologische und Botanische Garten, ist eine großangelegte Anlage, welche eine wahre Oase der Ruhe und Erholung inmitten der lauten Stadt ist. Es gibt viele Raubkatzen, zahlreiche Vögel, Krokodile, frei herumlaufende Affen und einige andere Tiere zu sehen. Der gesamte Park lud für ein kleines Eintrittsgeld zum Spazieren und Verweilen ein und war absolut nicht überlaufen. Nachdem wir die über 30 Grad am zwölften Tag ausgiebig im Park genossen hatten, fuhren wir zurück ins Hotel.
Freilaufende Affen im Zoologischen Garten.
Auch dieser kleine Ausflug hatte wieder einmal gezeigt, dass man sich meinungstechnisch nicht gleich nach dem ersten Eindruck festlegen sollte. Wir haben solch interessante Seiten von Asunción gesehen, dass ich meine anfängliche Meinung zur Stadt ebenfalls noch einmal überdenken werde. Ob sie nun die Stadt meiner Träume wird, weiß ich nicht. Aber sie hat so viel mehr Seiten zu bieten als die Bereiche in der Altstadt, welche ich in den ersten Ausgaben beschrieben habe.
Zurück im Hotel hieß es dann allmählich, der Realität ins Auge zu blicken. Wir mussten uns um die Rückflüge kümmern und die ersten Sachen packen. Würden Erfahrungen und Erlebnisse Platz brauchen, hätte unser Handgepäck für den Rückflug nicht ausgereicht und wir hätten Übergepäck aufgeben müssen. Bei einem gepflegten Glas Wein dachten wir am Abend über die zurückliegenden Wochen nach. Dabei stellten wir fest, dass es unreal wirkte, wie alle Erlebnisse in diesen gefühlten kurzen Zeitraum passten.
Die Rückreise
Ausgangs- und Endpunkt - Flughafen Asunción
Unsere letzten Stunden waren hauptsächlich vom Warten geprägt. Wir saßen auf gepackten Rucksäcken und mussten die Zeit bis zum Nachmittag überbrücken. Für große Ausflüge und Unternehmungen war natürlich keine Gelegenheit mehr. Sicher kennst du das Gefühl dieser Abreisetage selbst zu gut.
Glücklicherweise durften wir unser Hotelzimmer bis 14:30 Uhr behalten, was die Wartezeit etwas erleichterte. Nachdem wir noch einmal ganz in Ruhe gefrühstückt hatten, nutzten wir die Zeit für einen kleinen Spaziergang in der Nähe. Bei 34 Grad in Asunción fühlte sich die spätere Rückkehr nach Deutschland wie ein Kälteschock an.
Die Fahrt zum Flughafen war mit etwas Wehmut verbunden, aber ansonsten recht unspektakulär. Da wir Probleme hatten, unsere Bordkarten im Internet zu erhalten, half man uns problemfrei am Flughafen selbst. Gepäckkontrolle und Ausreise verliefen ohne Zwischenfälle und dann hieß es nochmals warten.
Der 12-stündige Flug nach Frankfurt steht bereit.
Gegen 18 Uhr Ortszeit ging es dann zurück über São Paulo und Frankfurt nach Berlin. Die Flüge waren alle ausgebucht, weshalb es im Flugzeug selbst keine Option gab, sich vielleicht noch einen Platz mit mehr Freiraum zu ergattern. Abgesehen vom Flug Frankfurt nach Berlin waren alle Flüge pünktlich und nach etwa 20 Stunden endete die Reise in Berlin.
Bei 4 Grad war es tatsächlich sehr kalt, was sich durch die oben erwähnten 34 Grad in Asunción wie eine Schock-Frostung anfühlte. Glücklicherweise wurden wir vom Flughafen abgeholt, sodass wir im Auto die Heizung aufdrehen konnten.
Nun möchte man meinen, dass man nach zwei Wochen viel zu erzählen hätte, wenn man direkt gefragt wird. Erstaunlicherweise muss ich gestehen, dass es mir schwerfiel, das Erlebte direkt in Worte zu fassen. Es wirkte zunächst noch unreal und benötigte etwas Zeit. Mein Bruder konnte dieses Gefühl ebenfalls bestätigen.
Dass es mir dann letztlich doch gelungen ist, alles in Worte zu fassen, siehst du an den zurückliegenden Artikeln. Ich hoffe, dass dich die zurückliegende Reise inspiriert hat und dir etwas Klarheit zu dem doch recht fremden Paraguay liefern konnte.
Im nächsten und letzten Artikel dieser Reihe werde ich mein Fazit zur gesamten Reise und zu Paraguay ziehen.